
Kasern, die nördlichste Siedlung Italiens, liegt am Ende des Ahrntales, unmittelbar am Alpenhauptkamm. Mit weniger als 50 Einwohnerinnen und Einwohnern steht der Ort exemplarisch für eine Entwicklung, die viele alpine Dörfer betrifft: der schrittweise Verlust wirtschaftlicher Eigenständigkeit, die Abhängigkeit vom Tourismus und die Frage, ob solche Orte langfristig lebensfähig bleiben können. Diese Studie nähert sich dieser Frage nicht mit einer fertigen Antwort, sondern mit einer Methode: dem szenariobasierten Denken. Auf Grundlage einer eingehenden Analyse des Territoriums, seiner Geschichte und seiner gegenwärtigen Realität wurden zwei mögliche Zukünfte für Kasern entwickelt. Das erste Szenario beschreibt einen Ort, der sich bewusst diversifiziert: mit neuen Bewohnerinnen und Bewohnern, einer gestärkten Gemeinschaft und breiten Investitionen in Wohnen, Landwirtschaft und wirtschaftliche Vielfalt jenseits des Tourismus. Das zweite Szenario wählt einen anderen Weg: eine bewusste, gestaltete Schrumpfung, bei der Investitionen in Kasern nur noch punktuell erfolgen und der Schwerpunkt auf das Hauptdorf Prettau verlagert wird, Kasern wird neu positioniert als Ort der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Forschung, ein Außenposten für Institutionen und junge Menschen, die hierher kommen, um über die Zukunft von Gebirgsregionen nachzudenken. Sie sind keine Prognosen, sondern Einladungen zum Nachdenken: Was ist möglich? Was ist wünschenswert? Und was braucht es, damit das Wünschenswerte auch wirklich werden kann?
Auftraggeber
Gemeinde Prettau - Predoi
Ort
Prettau - Predoi, IT
Jahr
2026



Datenvisualisierung





Popolazione
Morfologia
Turismo
Trasporti
Agricoltura





Vergangenheit


„Seit den 50er Jahren haben wir einen negativer Wanderungssaldo. Lange gab es Geburtenüberschuss, doch heute ist das nicht mehr so und die Bevölkerungszahl sinkt.“
Gegenwart
Zur lokalen Wirtschaft



Zukunft?


Scenario 1
Scenario 2
Zu neuen Ansätzen wie Stilfs, Residencies, etc.
Szenario 1: Vom Durchgang zum Ort
Szenario 2: Vom Dorf zum Tal




Erkenntnis:
Kasern realisierte, dass die meisten Menschen wegen der Berge kommen, nicht wegen des Dorfes. Wenn das Dorf überleben will, muss es den Menschen einen Grund geben, zu bleiben.
Entscheidung:
Anstelle von neuen Hotels oder touristischen Einrichtungen investierte Kasern in Räume, die Menschen dazu einladen, anzuhalten, zu erleben und sich zu engagieren. Durch die Priorisierung des Alltagslebens schaffen diese Räume einen Mehrwert sowohl für die Anwohner:innen als auch für die Besucher:innen. Aufgrund dieses Mehrwerts bleiben Besucher:innen nun länger im Dorf, und die Auslastung der bestehenden Hotels hat sich erhöht.
Erkenntnis:
Das Dorf musste anerkennen: Der Tourismus war rückläufig, und keine Maßnahme konnte diesen Trend schnell genug umkehren. Anstatt sich diesem Trend zu widersetzen, entschied sich Kasern, ihn als Chance zu betrachten. Der Bezug und die traditionelle Pflege der Kulturlandschaft, die in den letzten Jahrzehnten nur eine untergeordnete Rolle neben dem Tourismus gespielt hatte, sollte nun wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.
Entscheidung:
Kasern wählte eine andere Strategie: nicht Wachstum, sondern bewusste Neuausrichtung. Das Dorf akzeptierte, dass es als eigenständige, wachsende Gemeinschaft nicht weiterbestehen konnte wie bisher, und wird stattdessen zu einem lebenden Labor. Hier lassen sich das Zusammenspiel von Kulturlandschaft und Natur, die Auswirkungen des Klimawandels und die Zukunft alpiner Talsysteme beobachten, erproben und erforschen.


Kasern 2050:
Heute spazieren Besucher:innen auf ihrem Weg in die Berge durch das Dorf. Sie holen sich im örtlichen Hofladen ein Lunchpaket, kehren auf dem Rückweg zum Tee ein oder versammeln sich auf dem Dorfplatz zu einem Musikabend. Die lokale Wirtschaft dreht sich nun um kleine Dienstleistungen und gemeinschaftliche Aktivitäten, die die lokale Identität stärken (Cafés, Märkte, traditionelle Veranstaltungen, ...).
Die lokale Bevölkerung wächst zusammen und wird stärker. Junge Besucher:innen entscheiden, in Kasern zu bleiben.
Kasern 2050:
Heute ist das Dorf kleiner und ruhiger. Die Wirtschaft dreht sich um Landwirtschaft und angewandte Forschung, vor allem in Anbetracht neuer klimatischer Herausforderungen. Im Sommer veranstaltet Kasern eine Sommerschule zum Thema Landschaftspflege und Landwirtschaft der Zukunft.
Die verbliebenen Bewohner:innen fungieren als Hüter:innen des Gebiets, pflegen und bewirtschaften die Landschaft, anstatt die Siedlung zu vergrößern.

Kasern, die nördlichste Siedlung Italiens, liegt am Ende des Ahrntales, unmittelbar am Alpenhauptkamm. Mit weniger als 50 Einwohnerinnen und Einwohnern steht der Ort exemplarisch für eine Entwicklung, die viele alpine Dörfer betrifft: der schrittweise Verlust wirtschaftlicher Eigenständigkeit, die Abhängigkeit vom Tourismus und die Frage, ob solche Orte langfristig lebensfähig bleiben können. Diese Studie nähert sich dieser Frage nicht mit einer fertigen Antwort, sondern mit einer Methode: dem szenariobasierten Denken. Auf Grundlage einer eingehenden Analyse des Territoriums, seiner Geschichte und seiner gegenwärtigen Realität wurden zwei mögliche Zukünfte für Kasern entwickelt. Das erste Szenario beschreibt einen Ort, der sich bewusst diversifiziert: mit neuen Bewohnerinnen und Bewohnern, einer gestärkten Gemeinschaft und breiten Investitionen in Wohnen, Landwirtschaft und wirtschaftliche Vielfalt jenseits des Tourismus. Das zweite Szenario wählt einen anderen Weg: eine bewusste, gestaltete Schrumpfung, bei der Investitionen in Kasern nur noch punktuell erfolgen und der Schwerpunkt auf das Hauptdorf Prettau verlagert wird, Kasern wird neu positioniert als Ort der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Forschung, ein Außenposten für Institutionen und junge Menschen, die hierher kommen, um über die Zukunft von Gebirgsregionen nachzudenken. Sie sind keine Prognosen, sondern Einladungen zum Nachdenken: Was ist möglich? Was ist wünschenswert? Und was braucht es, damit das Wünschenswerte auch wirklich werden kann?
Auftraggeber
Gemeinde Prettau - Predoi
Ort
Prettau - Predoi, IT
Jahr
2026



Datenvisualisierung





Popolazione
Morfologia
Turismo
Trasporti
Agricoltura





Vergangenheit


„Seit den 50er Jahren haben wir einen negativer Wanderungssaldo. Lange gab es Geburtenüberschuss, doch heute ist das nicht mehr so und die Bevölkerungszahl sinkt.“
Gegenwart



Zur lokalen Wirtschaft
Zukunft?


Scenario 1
Scenario 2
Zu neuen Ansätzen wie Stilfs, Residencies, etc.
Szenario 1: Vom Durchgang zum Ort


Erkenntnis:
Kasern realisierte, dass die meisten Menschen wegen der Berge kommen, nicht wegen des Dorfes. Wenn das Dorf überleben will, muss es den Menschen einen Grund geben, zu bleiben.
Entscheidung:
Anstelle von neuen Hotels oder touristischen Einrichtungen investierte Kasern in Räume, die Menschen dazu einladen, anzuhalten, zu erleben und sich zu engagieren. Durch die Priorisierung des Alltagslebens schaffen diese Räume einen Mehrwert sowohl für die Anwohner:innen als auch für die Besucher:innen. Aufgrund dieses Mehrwerts bleiben Besucher:innen nun länger im Dorf, und die Auslastung der bestehenden Hotels hat sich erhöht.

Kasern 2050:
Heute spazieren Besucher:innen auf ihrem Weg in die Berge durch das Dorf. Sie holen sich im örtlichen Hofladen ein Lunchpaket, kehren auf dem Rückweg zum Tee ein oder versammeln sich auf dem Dorfplatz zu einem Musikabend. Die lokale Wirtschaft dreht sich nun um kleine Dienstleistungen und gemeinschaftliche Aktivitäten, die die lokale Identität stärken (Cafés, Märkte, traditionelle Veranstaltungen, ...).
Die lokale Bevölkerung wächst zusammen und wird stärker. Junge Besucher:innen entscheiden, in Kasern zu bleiben.
Szenario 2: Vom Dorf zum Tal


Erkenntnis:
Das Dorf musste anerkennen: Der Tourismus war rückläufig, und keine Maßnahme konnte diesen Trend schnell genug umkehren. Anstatt sich diesem Trend zu widersetzen, entschied sich Kasern, ihn als Chance zu betrachten. Der Bezug und die traditionelle Pflege der Kulturlandschaft, die in den letzten Jahrzehnten nur eine untergeordnete Rolle neben dem Tourismus gespielt hatte, sollte nun wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.
Entscheidung:
Kasern wählte eine andere Strategie: nicht Wachstum, sondern bewusste Neuausrichtung. Das Dorf akzeptierte, dass es als eigenständige, wachsende Gemeinschaft nicht weiterbestehen konnte wie bisher, und wird stattdessen zu einem lebenden Labor. Hier lassen sich das Zusammenspiel von Kulturlandschaft und Natur, die Auswirkungen des Klimawandels und die Zukunft alpiner Talsysteme beobachten, erproben und erforschen.

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